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800 Jahre Stadtrechte: „Sternenraum“-Installation lockt viele Besucher

Über 4.500 Fingerhüte sind derzeit in der Stadtkirche zu sehen. Foto: Laame

Geseke. “Zahlreich wie die Sterne des Himmels” - so hieß vor einigen Jahren eine Rauminstallation der Geseker Kulturpreisträgerin Gabriele Wilpers anlässlich des 1.200-jährigen Bestehens des Bistums Münster. Die Sterne, die seinerzeit in der Überwasserkirche erstrahlten, waren 23.000 Fingerhüte, die Gabriele Wilpers gemeinsam mit vielen Helfern und in mühevoller Arbeit im Kirchenschiff befestigt hatte. Anlässlich des Jubiläums ihrer Heimatstadt präsentiert Gabriele Wilpers ihren besonderen “Sternenhimmel” in ähnlicher Form in der Stadtkirche St. Petri, jedoch mit künstlerischem Bezug zur Geseker Stadtgeschichte. Passend zu Beginn der Festwoche zum 800-jährigen Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte ist die Ausstellung mit einer Vernissage am vergangenen Freitag eröffnet worden.

Viele tausend Fingerhüte gehören seit 2005 zum Fundus von Gabriele Wilpers. “Viele von diesen Fingerhüten haben eine ganz besondere Geschichte”, weiß Wilpers. So z.B. ein Fingerhut, den eine Familie auf der Flucht im Zweiten Weltkrieg zu Geld machen musste, um das eigene Überleben zu sichern. Seit Generationen war der aus Silber bestehende Fingerhut im Familienbesitz. Um Nahrungsmittel kaufen zu können, sah die Familie jedoch keinen anderen Ausweg und veräußerte unter Tränen das lang gehegte Erbstück. Nach jahrelanger Recherche konnte der geliebte Fingerhut dann Jahrzehnte später wieder ausfindig gemacht und wieder in den Familienbesitz überführt werden. “Es sind Geschichten wie diese, die einen besonders berühren und die gesamte Ausstellung bereichern”, erklärt Gabriele Wilpers.

Um ihrer Installation den lokalen Bezug zu geben, war Gabriele Wilpers auf der Suche nach gebrauchten Fingerhüten aus Geseke und Umgebung. Insgesamt 4.500 Fingerhüte – allein 500 Fingerhüte stammen aus Geseke – hängen im Hochchor von der Decke und erzählen so manche Geschichte, die in der Eröffnungsfeier teils zitiert wurden.

Wie sie auf die Idee kam, eine Ausstellung mit Fingerhüten zu entwickeln, dafür hat Wilpers eine ganz einfache Erklärung: “Indem ich den Fingerhut zum Thema mache, wird diesem sonst so unscheinbaren kleinen Gegenstand, der uns fast schon fremd geworden ist, eine ganz neue Aufmerksamkeit zuteil. Viele der Fingerhüte erzählen Geschichten, stecken voller individueller Erinnerungen an Schönes und Schweres. Durch die Fingerhüte möchte ich an die vielen namenlosen Frauen in der Geschichte der Stadt erinnern.”

Bis zum Advent kann das Kunstwerk noch bewundert werden. (bl)